Speedruns, Mods, First Person Shooter - Spielkultur in der Ethnologie - Anthronaut Folge 15

Speedruns, Mods, First Person Shooter – Spielkultur in der Ethnologie

INHALT

Adolar landet im Gamer-Himmel und taucht dort in die Welt der Speedruns und First Person Shooter ab

Im Eryndor-System dockt Adolar an einer Raumstation an, die für Gamer absolut himmlisch ist. Hier gibt es Pizza, Retro-Games und super futuristische Holodecks. Das weckt Erinnerungen, denn als Kind hat Adolar viele Adventures und First Person Shooter gespielt, sich später Speedruns auf YouTube reingezogen und am Ende seines Studiums sogar seine Magister-Arbeit über Games und die Spielkultur geschrieben.

Von rocket running bis speed running: Wie sich Gamer die Spielräume der First Person Shooter aneignen

Adolar schnappt sich in dieser Folge einen Text von Alexander Knorr, der Privatdozent am Ethnologie-Institut in München ist – und einer der Experten auf dem Gebiet der Cyberanthropology. Knorr zeigt, wie das Konsumprodukt Computerspiel schon zu Zeiten von Doom (1993) und Quake (1996) zu einem co-kreativen Medium wurde.

In First Person Shootern entdeckten und perfektionierten Gamer schon früh die Kunst der Fortbewegung durch rocket running (später rocket jumping) und strafe running. Daraus entstand das speed running als eigene Subkultur.

Auch das Gamemodding, das aktive Verändern von Grafiken, Mechaniken und anderen Inhalten von Games, zeugt von einem äußerst kreativen Umgang mit Computerspielen. 

Diese Arten der kulturellen Aneignung von Spielräumen zeigen, dass gerade First Person Shooter nicht auf das Abschießen und virtuelle Töten von Gegnern reduziert werden können.

Ist Spielkultur ein ergiebiges Forschungsfeld für Ethnolog:innen?

In und um viele Games herum haben sich vielfältige Räume für Kommunikation und Interaktion herausgebildet. Geografische, nationale, soziale und kulturelle Aspekte, die für die ethnologische Forschung in aller Regel maßgeblich sind, spielen dort kaum eine Rolle.

Vielleicht ist gerade deshalb die Spielkultur (besser: Spielkulturen) für Ethnolog:innen so ein spannendes Forschungsfeld. Games setzen eine Hinwendung zum Digitalen und Performativen voraus. Das ist, soweit ich das einschätzen kann, nach wie vor ein Stück Neuland in der Ethnologie. Aber wer, wenn nicht Ethnolog:innen, könnten dieses Neuland am besten erkunden?

Die ethnologische Games-Forschung hat viel Potenzial – nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Wirtschaft, da Games ein enormer Wirtschaftsfaktor sind, der vermutlich noch lange Zeit stark und relevant bleiben wird.

QUELLEN

Ethnologische Quellen in dieser Folge

  • Knorr, Alexander 2009: „Die kulturelle Aneignung des Spielraums. Vom virtuosen Spielen zum Modifizieren und zurück.“. In: Matthias Bopp, Rolf F. Nohr, Serjoscha Wiemer (Hrsg.): Shooter. Eine multidisziplinäre Einführung. Münster: LIT Verlag, S. 217-246

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