Scham und Schuld - Was Ethnologie und Psychologie darüber wissen - Anthronaut Exklusiv-Folge 9

🔒 Scham und Schuld – Was Ethnologie und Psychologie darüber wissen

AUF EINEN BLICK

In dieser Folge

  • Du lernst das Konzept der Schamkulturen und Schuldkulturen kennen.
  • Du erkennst, welche Aspekte der Scham natürlich sind und welche kulturell geformt.
  • Du erfährst, wie Scham mit sozialer Ungleichheit zusammenhängt.
  • Und was aktuelle Themen wie Cancel Culture mit Scham zu tun haben.
  • Du verstehst, warum die Psychologie allein Scham und Schuld nicht hinreichend erklären kann.
  • Du lernst, bei welchen Fragen Ethnologie und Psychologie keine gesicherten Antworten liefern.

Das ist eine Exklusiv-Folge. Sie ist nur für Crew-Mitglieder zugänglich.

INHALT

Schäm dich, Freddy! – Scham, Schuld und was Ethnologie und Psychologie darüber wissen

Es beginnt mit einem Alarm. Adolar ist in seinem Raumschiff, als überall rote Lichter aufblinken. Die Sauerstoff-Reserven sind plötzlich leer. Und wer hat Schuld? Adolars Kumpel Freddy, der alte Halunke, weil er seine Socken … nun ja … mit dem Notfall-Gebläse getrocknet hat.

Freddy ist schuld und er soll sich schämen, findet Adolar. Wenn das mal keine Steilvorlage für das Thema dieser Folge ist: Was ist Scham? Was ist Schuld? Und was wissen die Ethnologie und die Psychologie darüber?

Schuld treibt an, Scham lähmt – sagt die Psychologie

Was unterscheidet Scham von Schuld? Die Psychologie zeigt: Sie funktionieren grundlegend verschieden. Schuld richtet sich auf eine Handlung, Scham trifft die ganze Person.

Dieser Unterschied hat, wie die Forschung zeigt, erhebliche Konsequenzen für das Verhalten, für die psychische Gesundheit, für den Umgang mit Fehlern.

Was die Psychologie dabei aber weitgehend ausblendet, sind die gesellschaftlichen Maßstäbe, an denen Menschen sich messen: Warum gilt Armut als beschämend? Warum kann Ehrlosigkeit in manchen Kontexten tödlich sein?

Fragen wie diese führen aus der Psychologie heraus – und in die Ethnologie und Soziologie hinein.

Schamkulturen und Schuldkulturen: ein einflussreiches und problematisches Konzept

Scham und Schuld sind nicht nur individuelle Gefühle, sondern auch soziale Werkzeuge.

Die Ethnologie hat früh gefragt: Welches dieser Werkzeuge dominiert in welcher Gesellschaft? Die Antwort der US-Anthropologin Ruth Benedict wurden 1946 weltberühmt: Japan sei eine Schamkultur, Amerika eine Schuldkultur.

Diese Typologie ist jedoch problematisch. Warum, das hört ihr in dieser Folge. Die spätere Ethnologie hat das Modell zu Recht demontiert. Was davon übrig bleibt, und was das für unser Verständnis von Scham heute bedeutet, das ist ebenfalls Thema dieser Folge.

Scham als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse

Scham entsteht dort, wo gesellschaftliche Ordnung auf den einzelnen Menschen trifft, wissen Sozial- und Kulturwissenschaften. Wer beschämt werden darf, wofür und mit welchen Folgen, das ist kulturell geformt, historisch gewachsen und eng mit sozialer Ungleichheit verknüpft.

Diese Perspektive macht Scham zu einem politischen Thema und erklärt, warum Fragen rund um Beschämung heute aktueller sind denn je.

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