Folge 2 der Podcast-Reihe „Dinge, die wir sind“
In der Podcast-Reihe Dinge, die wir sind taucht Adolar mit euch in die Welt der Dinge ein. Ihr schaut euch an, welche tiefgehenden Verbindungen es zwischen Dingen und Menschen gibt – und woher diese kommen. In der Ethnologie heißt dieses Forschungsfeld Materielle Kultur.
Für Crew-Mitglieder erscheinen vier zusätzliche Exklusiv-Folgen, die die Themen der öffentlichen Folgen erweitern und vertiefen.
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Auf Lako VII landet Adolar in einem Laden voller absurder Dinge
Lako VII ist eine Raumstation im Orbit des Dschungel-Planeten Adogah. Offiziell ist das hier ein Handelsknotenpunkt für Reisende aus der ganzen Galaxis – inoffiziell aber ein Ort, an dem erstaunlich viel Zeug liegen bleibt. Mitten in diesem Chaos entdeckt Adolar den Laden „Blast from the Past“ (eine augenzwinkernde Anspielung auf Zurück in die Zukunft 2). Es ist ein Ramschladen und zugleich ein Museum des völlig Unwahrscheinlichen: Kisten voller skurriler Gegenstände, rätselhafter Beschriftungen und Dinge, bei denen man sich fragt, wer sie wohl einmal besessen hat – und was sie den Besitzern wohl bedeutet haben.
Und während Adolar dort staunend herumläuft, hat er selbst einen besonderen Gegenstand dabei, der für ihn und deine eigene Biografie eine ganz besondere Bedeutung hat.
Dinge sind mehr als nur Dinge – sie sind Träger von Bedeutungen
Adolar erkennt: Gegenstände sind nicht bloß Gegenstände, die objektiv existieren. Wir laden sie mit Bedeutungen auf. Ein Glücksbringer, zum Beispiel, kann objektiv nichts – dennoch kann er etwas in uns auslösen und verändern, wie wir handeln und wie wir uns fühlen.
Ähnlich ist es bei einem Pokal, einem Foto, einem Ring, einem Brief. Der Gegenstand steht stellvertretend für einen Moment oder einen Abschnitt unseres Lebens. Und genau deshalb kann eine tiefe Verbindung zwischen einem Objekt und uns als Subjekt entstehen.
Verbindungen zu Dingen entstehen durch unsere Biografien
Bedeutungsvolle Gegenstände entstehen meist biografisch – also dadurch, dass ein Gegenstand Teil unserer eigenen Lebensgeschichte wird. Er war dabei, als etwas Wichtiges passiert ist. Oder er hat einen Weg zu uns gefunden, der sich besonders anfühlt, vielleicht weil er ein Fundstück, Erbstück oder ein Geschenk war.
Adolar deutet das an, während er durch den Laden läuft: In den Kisten liegen nicht nur Waren. Darin liegen fragmentierte Biografien. Dinge, die auf den ersten Blick banal wirken, könnten für ihre ehemaligen Besitzer kleine Anker in ihren Leben gewesen sein. Fixpunkte, die ihnen Sicherheit, Hoffnung, Zugehörigkeit oder Selbstwert gaben.
Nicht die Objekt an sich binden uns, sondern die Geschichten, die wir mit ihnen erlebt haben
Der Ethnologe Hans Peter Hahn schreibt in seinem Buch „Materielle Kultur“:
„Nicht die Objekte als solche sind es, die diese Bindung hervorrufen, sondern die Geschichten, durch die Objekt und Subjekt miteinander verbunden sind.“
Wir hängen also nicht an Dingen, weil sie per se so toll ist. Es geht hier nicht um reinen Konsum. Wir hängen an ihnen, weil sie mit einem „Damals“ aufgeladen sind – mit Menschen, Orten, Momenten. Das Ding wird zu einer Art Speicher: Es bewahrt nicht nur Erinnerung, sondern gibt ihr auch Form.
Deshalb kann der Verlust eines Gegenstands echten Schmerz auslösen. Denn mit ihm verschwindet nicht nur Besitz, sondern ein Stück gelebte Geschichte und damit der eigenen Identität. Dieser Schmerz kann mit dem Konzept des Erweiterten Ich (engl.: extended self) des Konsum- und Verhaltensforschers Russell W. Belk erklärt werden. Darum geht es in der nächsten Exklusiv-Folge für Crew-Mitglieder.
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Ethnologische Quellen in dieser Folge
· Hahn, Hans Peter 2005: Materielle Kultur. Eine Einführung. Berlin: Reimer Verlag






