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Adolars Schraube hat eine kulturelle Biografie – dank Igor Kopytoff wissen wir, warum
Es war Adalors erster Flug ins All, als sich kurz vor dem Mond eine Schraube seines Raumschiffs löste und im Nichts verschwand. In den ersten Folgen seiner Podcast-Reihe „Dinge, die wir sind“ hatte Adolar dieses Ereignis bereits erwähnt.
Was diese 20 Zentimeter große Schraube aus Stahl in den Jahren danach so erlebt hat, bevor Adolar sie schließlich auf dem Dschungelplaneten Adogah wieder in Empfang nehmen konnte, können wir dank des Ethnologen Igor Kopytoff gut einordnen.
Igor Kopytoff und die kulturelle Biografie der Dinge
In dieser Folge schiebt Adolar noch einen wichtigen Text über materielle Kultur nach, den er in seiner Podcast-Reihe nicht erwähnt hat: „The Cultural Biography of Things“ von Igor Kopytoff. Der Text stammt aus dem Jahr 1986 und hat unseren Blick auf Dinge wesentlich geprägt.
Kopytoffs Kernfrage ist so einfach wie folgenreich: Was, wenn wir Dinge so betrachten würden wie Menschen?
Menschen schreiben wir eine Biografie zu. Bei Dingen tun wir das kaum. Wir sehen sie als statisch und passiv an. Kopytoff dreht das um.
Waren und Einzelstücke – der ständige Wechsel
Ein Ding kann immer wieder zwischen verschiedenen Zuständen wechseln. Heute Ware. Morgen Erbstück. Übermorgen Museumsstück.
Kopytoff nennt das den Wechsel zwischen Kommodifizierung und Singularisierung: Ein Ding ist austauschbare Ware, bis es aus dem Warenkreislauf herausgehoben wird und – mit besonderer Bedeutung aufgeladen – plötzlich als unverkäuflich gilt.
Die Perspektive, die Igor Kopytoff uns eröffnet, lautet: Ein Ding ist nie nur ein Ding. Es ist ein Spiegel der Gesellschaft, die es benutzt.
Die Geschichte von Adolars Schraube ist ein Lehrstück in kultureller Biografie-Schreibung von Dingen
Ursprünglich hergestellt in Thüringen, als eine Waren von vielen, wurde Adolars Schraube auch zu einer singulären Besonderheit:
Sie war ein Bauteil von Adolars Raumschiff, löste sich bei seinem Erstflug und trieb dann jahrelang durchs All. Was sie dann erfahren und erlebt hat – außerirdische Sammlungen, Auktionshäuser, ein Museum, ein Schmelzofen – rekonstruierte Adolar durch Archive, Datenbankrecherchen und persönliche Kontakte.
Jede Station dieser Reise gab Adolars Schraube einen anderen Wert. Das ist Igor Kopytoffs kulturelle Biografie der Dinge. Aber hört selbst…
QUELLEN
Ethnologische Quellen in dieser Folge
- Kopytoff, Igor 1986: „The Cultural Biography of Things: Commoditization as Process“. In: Arjun Appadurai (Hrsg.): The Social Life of Things. Commodities in Cultural Perspective. Cambridge University Press, S. 64–92
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